Akzessprüfung

1. Griechischakzess (Bachelor)

Die Akzessprüfung besteht im Griechischen aus einer zweieinhalbstündigen schriftlichen Übersetzung ins Deutsche mit interpretatorischen Zusatzfragen. Für den Umfang der Lektüreliste und für Textvorschläge sei auf die Wegleitung (Bachelor/Master) verwiesen, wo Sie auch nähere Angaben zu den Voraussetzungen zum Griechischakzess finden. Selbstverständlich können statt der dort vorgeschlagenen auch andere Autoren und Werke von vergleichbarem Schwierigkeitsgrad und Umfang gewählt werden.

2. Lateinakzess (Bachelor)

Im Lateinischen besteht der Akzess aus einer zweistündigen schriftlichen Übersetzung ins Deutsche (wobei jede/r Kandidat/in die Möglichkeit hat, den/die die Klausur betreuende/n Assistentin/en nach 3 Wörtern zu fragen) und einer halbstündigen mündlichen Prüfung über Texte der Leseliste und lateinische Literaturgeschichte allgemein. Die beiden Teile werden innerhalb von höchstens 10 Tagen absolviert. Das Bestehen der schriftlichen Übersetzung ist Voraussetzung für die Zulassung zur mündlichen Prüfung. Für den Umfang der Lektüreliste und für Textvorschläge sei auf die Wegleitung (Bachelor/Master) verwiesen, wo Sie auch nähere Angaben zu den Voraussetzungen zum Lateinakzess finden. Selbstverständlich können statt der dort vorgeschlagenen auch andere Autoren und Werke von vergleichbarem Schwierigkeitsgrad und Umfang gewählt werden. Die Kandidat/innen sprechen ihre individuell zusammengestellte Leseliste mit der/dem prüfenden Dozierenden ab und geben die so besprochene definitive Liste bei der Anmeldung zum schriftlichen Akzess bei der zuständigen Assistenz ab.

3. Empfehlungen für die Vorbereitung der schriftlichen Übersetzung

In der schriftlichen Übersetzung wird die Fähigkeit geprüft, einen zusammenhängenden griechischen oder lateinischen Originaltext von mittlerem Schwierigkeitsgrad sprachlich und inhaltlich korrekt zu analysieren und zu verstehen. Voraussetzung für diese Fähigkeit sind einerseits die sichere Kenntnis einer genügenden Anzahl von Wörtern und der Grammatik, andererseits eine intensive und umfangreiche Lektüre von Originaltexten. Erst bei dieser Lektüre erwirbt man sich die nötige Routine in der Analyse so komplexer Strukturen, wie sie antike Texte häufig darstellen.

Man sollte also zur Vorbereitung möglichst viel und gründlich lesen. Bei der Auswahl dieser Lektüre darf man sich weitgehend von individuellen Interessen leiten lassen. Allerdings sollte man die folgenden Punkte beachten:

  • Es wird vor allem empfohlen, jeweils von den in den Hauptvorlesungen besprochenen Werken auch selbständig so viel wie irgend möglich im Original zu lesen.
  • Poetische Texte unterscheiden sich von prosaischen in verschiedener Hinsicht. Für die Klausur wird Erfahrung mit beiden Textsorten vorausgesetzt (die Prüfungstexte wechseln in unregelmässiger Folge zwischen Poesie und Prosa ab). Das Vorbereitungsprogramm sollte deshalb sowohl poetische wie prosaische Werke enthalten.
  • Es empfiehlt sich, zusammenhängende Texte zu lesen, das heisst: nicht viele einzelne Abschnitte von 50 oder 100 Versen oder Zeilen, sondern mindestens ein ganzes oder mehrere zusammenhängende (antike) Bücher. Auf diese Weise kann man vertraut werden mit Stil und Gedankenwelt eines Autors, was auch für das Verständnis anderer Autoren etwas nützen kann.
  • Variation in der Methode: Es gibt verschiedene Methoden, einen griechischen oder lateinischen Text zu studieren. Bei der Lektüre eines Werkes sollte man sie abwechselnd anwenden:
    1. Man sollte versuchen, längere Abschnitte zu verstehen, indem man sie durchliest, ohne eine genaue Übersetzung anzufertigen. Man achtet dabei vor allem auch auf die grösseren Zusammenhänge innerhalb eines literarischen Werks.
    2. Einzelne schwierigere Abschnitte, die man beim Durchlesen nicht versteht, verlangen eine genauere Analyse. Man wird sich bei dieser Analyse u.a. die folgenden Fragen stellen:
      • Wie ist der Gedankengang des Abschnitts aufgebaut, und wie fügt er sich in den Gedankengang des ganzen Werks ein?
      • Wie sind die Sätze konstruiert? Gehört ein Wort in einen Haupt- oder in einen Nebensatz oder zu einer Partizipial- oder zu einer Infinitivkonstruktion?
      • Welche genaue Bedeutung hat ein Wort an der Stelle des Textes, an der es steht? (Diese Frage betrifft vor allem Substantive, Adjektive, Adverbien und Verben.)
      • Welche genaue Funktion hat ein Wort innerhalb des Satzes oder innerhalb des ganzen Textabschnitts? (Diese Frage betrifft vor allem Pronomina, Konjunktionen und Adverbien, die ein örtliches, zeitliches oder logisches Verhältnis zum Ausdruck bringen.)

      Es empfiehlt sich auch, solche Abschnitte schriftlich zu übersetzen.

      Dabei ist - in Übereinstimmung mit den Anforderungen im Akzess - eine Übersetzung anzustreben, die ohne Zuhilfenahme des Originals verständlich ist und erkennen lässt, dass sowohl der Gedankengang des Textes als auch seine Konstruktionen verstanden sind. In Ausnahmefällen kann die Konstruktion des Originals durch eine kurze grammatikalische Bemerkung in Klammern verdeutlicht werden; Alternativübersetzungen sind zu vermeiden. Die Sprache soll eine schlichte, aber korrekte Prosa sein (bei der Akzessprüfung werden Mängel des deutschen Ausdrucks toleriert, sofern sie sich nicht sinnstörend auswirken).

    Natürlich wird man am Anfang seines Lektüreprogramms mehr nach der Methode b), gegen den Schluss dagegen mehr nach der Methode a) vorgehen.

  • Übersetzungshilfen sind in erster Linie das Wörterbuch, die Grammatik und - falls vorhanden - ein Kommentar zum betreffenden Text. Auch moderne Übersetzungen können zur Verständniskontrolle herangezogen werden. Dabei ist es wichtig, sich Klarheit darüber zu verschaffen, wie frei die jeweilige Übersetzung formuliert ist und welche Textvariante ihr zugrunde liegt.
  • Wörter- und Grammatikkenntnisse kann man natürlich mit Hilfe von speziellen Wörter- und Grammatikbüchern erwerben, wie sie unten aufgeführt sind. Der Lerneffekt ist jedoch wesentlich besser, wenn man Wörter und Grammatik im Zusammenhang der eigenen Lektüre lernt, indem man Unbekanntes nachschlägt, das Gefundene aufschreibt und daraufhin memoriert. Auf diese Weise lernt man die Wörter bereits in einem passenden gedanklichen Zusammenhang kennen. Aktive Beherrschung von Grammatik und Wortschatz wird in den Sprachübungen eingeübt.
  • Für eine erfolgreiche Akzessvorbereitungslektüre ist auch die Kontrolle darüber wichtig, ob man das Gelesene richtig verstanden hat. Die eigenen Übersetzungen können z. B. mit gedruckten verglichen werden. Wesentlich anregender ist aber die Mitarbeit in einer Lektüregruppe, in der Übersetzungen der Teilnehmenden diskutiert werden. Man kann solche Lektüregruppen privat bilden oder an der Kursorischen Lektüre teilnehmen, die vom Seminar veranstaltet wird. Die Kursorische Lektüre ist in erster Linie als Vorbereitung auf den Akzess gedacht und wird deshalb allen Kandidatinnen und Kandidaten für diese Prüfung wärmstens empfohlen. Natürlich kann man auch nach dem Akzess daran teilnehmen. Zudem bieten die Übersetzungsübungen die Möglichkeit, wöchentlich unter Akzessbedingungen eine Probeprüfung zu schreiben, die von einem/r Assistenten/in korrigiert wird.
  • Alte Übersetzungsprüfungen können bei der Assistenz photokopiert werden. Sie geben Aufschluss über das Anforderungsniveau der Prüfung und über den Stand der eigenen Fähigkeiten. Sie sind aber nur als Kontrolle von Nutzen. Es empfiehlt sich, zwei bis drei solche Prüfungen zur privaten Probe zu lösen. Man sollte dagegen nicht die ganze Vorbereitung auf alte Klausurtexte aufbauen.


Empfohlene Wortkunden

Griechisch:

  • Meyer/Steinthal, Grund- und Aufbauwortschatz, Stuttgart 1993

Latein:

  • R. Vischer, Lateinische Wortkunde für Anfänger und Fortgeschrittene, Stuttgart 31996


Empfohlene Grammatiken

Griechisch:

  • Ed. Bornemann/E. Risch, Griechische Grammatik, Berlin 21978 u. ö.

Latein:

  • H. Rubenbauer/J. B. Hofmann, Lateinische Grammatik, Bamberg 121995 (neubearbeitet von Rolf Heine)