Laufende Projekte (Auswahl)

Philosophie für die Polis. Akten des 5. internationale Kongresses der Gesellschaft für Antike Philosophie (GANPH)

Übereinstimmend mit dem Selbstverständnis der 2001 gegründeten Gesellschaft für Antike Philosophie (GANPH) zielte der internationale Kongress in Zürich 6.–9.9.2016 darauf ab, die vitale Bedeutung der Antike für unsere Kultur im allgemeinen und speziell für die philosophische Reflexion über den Menschen als «politisches Lebewesen» sowie die gesellschaftlichen Voraussetzungen gelingenden Lebens in Erinnerung zu rufen und für die gegenwärtige Diskussion fruchtbar zu machen. Im Zentrum der Beiträge stehen die stark nachwirkenden Reflexionen Platons und des Aristoteles, wobei aber auch das politische Denken von den Vorsokratikern und den Sophisten über Stoa und Epikureismus bis zu kaiserzeitlichen, spätantiken und frühislamischen Autoren in den Blick genommen wird. Der Tagungsband wird voraussichtlich 2019 in der Reihe „Beiträge zur Altertumskunde“ beim Verlag de Gruyter in Berlin und Boston erscheinen.

Verantwortlicher UZH: Prof. Dr. Christoph Riedweg

Aspects de la polémique philosophique contre les chrétiens dans les quatre premiers siècles

Ausarbeitung einer Vortragsreihe an der EPHE, Section des Sciences religieuses, in deren Zentrum die Auseinandersetzungen der platonischen Polemiker gegen das Christentum mit dem Logos des Johannesprolog steht (vgl. http://asr.revues.org/1442).

Verantwortlicher UZH: Prof. Dr. Christoph Riedweg

Brill’s Companion to the Reception of Pythagoras and Pythagoreanism, 1: Antiquity

In diesem mit Constantin Macris (CNRS, Paris) zusammen geplanten Band soll die sehr reichhaltige Nachwirkung des Pythagoras von der hellenistischen Zeit bis in die Spätantike hinein verfolgt und unter Mitarbeit zahlreicher Spezialistinnen und Spezialisten aus aller Welt umfassend vorgestellt werden.

Verantwortlicher UZH: Prof. Dr. Christoph Riedweg

Demokratie und Populismus in der Antike und heute

Demokratie – ‚Volks-Herrschaft‘ – ist nicht nur als Wort altgriechischen Ursprungs. Auch als Regierungsform für differenzierte Gesellschaften ist die Demokratie eng mit dem Athen des 5. Jahrhundert v. Christus verbunden, wo diese erstmals bewusst praktiziert worden ist. Die Attische Demokratie mit ihrer wechselvollen Geschichte hat Philosophen, Denker und Dichter der Antike zu nicht selten ausgesprochen kritischen Reflexionen inspiriert, sie ist aber auch für die heutige politikwissenschaftliche Demokratieforschung nach wie vor ein wichtiger Bezugspunkt. Von besonderer Aktualität ist dabei das Verhältnis von Demokratie und Populismus bzw. Demagogie (‚Volks-[Ver]führung‘).

Verantwortliche UZH: Prof. Dr. Christoph Riedweg, Prof. Dr. Daniel Kübler, Prof. Dr. Andreas Victor Walser

Scriptura Helvetica – Mittelalterliche Schriften und Handschriften in Schweizer Bibliotheken. Paläographischer Lehrgang und kulturgeschichtliche Analyse.

Handschriften bilden die Grundlage der Überlieferung der vormodernen Literatur. Für ihre Lektüre bildet das Latein im Westen die sprachliche Voraussetzung. Daneben aber verlangen sie die Beherrschung einer äusserst komplexen Schrifttradition, die durch die Paläographie vermittelt wird, welche für alle mediävistischen Disziplinen relevant ist.
Das Projekt verfolgt das Ziel, sowohl eine paläographischen Einführung als auch Studien zur kulturgeschichtlichen Bedeutung von Schrift und Handschriften zusammenzuführen.
Die Absicht des Projekts ist zunächst, anhand der im Bereich der Schweiz befindlichen Handschriften antiker Autoren (Vergil, Ovid, Cicero usw.) aus unterschiedlichen Epochen die Vielfalt der lateinischen Schriftarten im Mittelalter vorzustellen und ihre Beherrschung zu vermitteln. Eine weitere Eingrenzung ergibt sich aus der Beschränkung auf das Gebiet der heutigen Schweiz. Damit wird ein Rahmen umrissen, der die bildungsgeschichtlich interessante Frage nach einer besonderen Rezeptionssituation aufwirft. Handschriften spielen als repräsentative Objekte und Zankäpfel eine wichtige Rolle in innerschweizerischen Auseinandersetzungen und sind auch heute noch bibliothekspolitische Themen, man denke nur an die im Toggenburgerkrieg (1712) von St.Gallen nach Zürich verbrachten Bestände. Insofern richten wir auch unseren Blick auf einen besonderen Aspekt der Schweizergeschichte.
In Anbetracht des Iconic Turn eröffnet eine derartige diachron und synchron angelegte Betrachtung einer „Handschriftenlandschaft“ auch interessante ästhetische Einblicke. Immer mehr tritt nämlich die Materialität der Überlieferung und die Bildsemantik von Schrift in den Vordergrund der Forschung. Herrschaftspolitische und sozialgeschichtliche Aspekte werden durch die Untersuchung von Schrift als Bildbotschaft evident.

Verantwortliche UZH: Prof. Dr. Ulrich Eigler, Dr. Raphael Schwitter

Die Pragmatik des Dialogs in der antiken Tragödie

Das Projekt hat zum Ziel, den Dialog der antiken Tragödie – der griechischen wie der römischen – mit Methoden der Pragmatik zu analysieren und so zu neuen Ergebnissen zu kommen. Die Art und Weise, wie Charaktere verbal interagieren, soll als gleichwertige Informationsquelle neben die Auswertung des Inhalts gestellt werden: Das Drama als literarische Gattung besteht zum grössten Teil aus Gesprächen verschiedener Charaktere. Vieles von dem, was das Stück ausmacht, liegt dabei nicht darin, was die Charaktere zueinander sagen, sondern darin, wie sie dies tun. Dadurch wird deutlich, wie sie zueinander und zur dramatischen Situation stehen. Quantitative Untersuchungen zur Pragmatik des Dialogs sollen Aufschlüsse über das Konversationsverhalten der Charaktere geben und Korrelationen zu Szenentypen und Charakteren aufzeigen. Szenen mit auffälligen Abweichungen im Konversationsverhalten sollen eingehender betrachtet und eingehenden Interpretationen unterzogen werden. Das Projekt greift insbesondere die Phänomene von Kohärenz und Kohäsion auf, das heisst die Art, in der die Gesprächspartner auf ihr Gegenüber eingehen. In Szenen, die vom Durchschnitt deutlich abweichen, soll anschliessend untersucht werden, wie sich diese Auffälligkeiten erklären lassen, wie sie mit anderen Erscheinungen von Gesprächsführung zusammenhängen und welche Rückschlüsse sie für die Interpretation des Stückes bieten.

Zudem wird untersucht, inwiefern in der Tragödie selbst die Regeln und Mechanismen des Dialogs (gewissermassen metapragmatisch) thematisiert werden, so dass sich die Gattung selbst einen Rahmen setzt, innerhalb dessen das Geschehen abläuft: Das Projekt behandelt die textimmanenten Aussagen zum Sprachverhalten und den Bedingungen von Kommunikation in den Tragödien: Es zeichnet so ein Bild von dem Bewusstsein, das das Genre von der in ihm ablaufenden Kommunikation und deren Mechanismen aufweist.

Verantwortliche UZH: Prof. Dr. Gunther Martin, MA Severin Hof, MA Federica Iurescia.

Scythica Vindobonensia

Die Scythica Vindobonensia – neue historische Fragmente, die in der unteren Textschicht der palimpsestierten Blätter 192r–195v des Wiener Codex Hist. gr. 73 der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien vor einigen Jahren entdeckt wurden – bilden zweifellos einen der wichtigsten Zuwächse zum Corpus antiker Texte in den letzten Jahrzehnten. Sie enthal­ten eine detaillierte Darstellung von Einfällen der „Skythen“ (d.h. Goten und anderer ostgermanischer Stämme) in die römi­schen Balkanprovinzen in der Mitte des 3. Jh. n.Chr. Der Umfang des Textes, der höchstwahrscheinlich den Scythica des zeitgenössischen griechischen Historikers Dexipp von Athen entstammt, ist für einen Neufund außerordentlich gross. Das Projekt setzt sich zum Ziel, die Entzifferung der Scythica Vindobonensia (mit Hilfe modernster technischer Methoden) abzuschließen, den Text zu edieren und zu kommentieren. So sollen die Fragmente erstmals genau erschlossen werden. Die Zusammenarbeit erfolgt mit Fritz MItthof, Otto Kresten, Kira Lappé (Wien), Jana Grusková (Wien/Bratislava) und Olivier Gengler (Tübingen).

Verantwortlicher UZH: Prof. Dr. Gunther Martin

Siehe auch Forschungsdatenbank der UZH (Abschnitt SGLP).