Laufende Projekte (Auswahl)

Walter Burkert, Kleine Schriften Band IX

(Hypomnemata Suppl., Bd. 2), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (Erscheinen für 2021 geplant)

Der abschliessende IX. Band der Kleinen Schriften des herausragenden Zürcher Gräzisten, Religionswissenschaftlers und Anthropologen Walter Burkert (1931–2015) soll die seit dem Beginn der Publikation der Kleinen Schriften 2001 erschienenen und in diesen fehlenden Artikel enthalten, ausserdem auch die bis heute sehr lesenswerte, jedoch lediglich in der maschinen­geschriebenen orginalen Fotodruck-Ausgabe greifbare Dissertation "Zum altgriechischen Mitleidsbegriff“ sowie zahlreiche weitere Publikationen, die für sein intellektuelles Profil und das wissenschaftliche Netzwerk dieses Jahrhundertgelehrten sehr aufschlussreich sind, darunter Lexikonartikel, Rezensionen, Gelegenheitsschriften, von Burkert verfasste Nachrufe und Äusserungen über das eigene wissenschaftliche Werk. Abgeschlossen wird der Band durch eine vervollständigte Bibliographie sowie eine Sammlung von Nachrufen auf Walter Burkert und Biographical Memoirs.

Verantwortlicher UZH: Prof. Dr. Christoph Riedweg

Demokratie und Populismus in der Antike und heute

Demokratie – „Volks-Herrschaft“ – ist nicht nur als Wort altgriechischen Ursprungs. Auch als Regierungsform für differenzierte Gesellschaften ist die Demokratie eng mit dem Athen des 5. Jahrhundert v. Christus verbunden, wo diese erstmals bewusst praktiziert worden ist. Die Attische Demokratie mit ihrer wechselvollen Geschichte hat Philosophen, Denker und Dichter der Antike zu nicht selten ausgesprochen kritischen Reflexionen inspiriert, sie ist aber auch für die heutige politikwissenschaftliche Demokratieforschung nach wie vor ein wichtiger Bezugspunkt. Von besonderer Aktualität ist dabei das Verhältnis von Demokratie und Populismus bzw. Demagogie („Volks-[Ver]führung“).

Verantwortliche UZH: Prof. Dr. Christoph Riedweg, Prof. Dr. Daniel Kübler, MA Riccarda Schmid, Prof. Dr. Andreas Victor Walser

Aspects de la polémique philosophique contre les chrétiens dans les quatre premiers siècles

Ausarbeitung einer Vortragsreihe an der EPHE, Section des Sciences religieuses, in deren Zentrum die Auseinandersetzungen der platonischen Polemiker gegen das Christentum mit dem Logos des Johannesprolog steht (vgl. http://asr.revues.org/1442).

Verantwortlicher UZH: Prof. Dr. Christoph Riedweg

Brill’s Companion to the Reception of Pythagoras and Pythagoreanism, 1: Antiquity

In diesem mit Constantin Macris (CNRS, Paris) und Irini-Fotini Viltanioti (University of Crete) zusammen geplanten Band soll die sehr reichhaltige Nachwirkung des Pythagoras von der hellenistischen Zeit bis in die Spätantike hinein verfolgt und unter Mitarbeit zahlreicher Spezialistinnen und Spezialisten aus aller Welt umfassend vorgestellt werden.

Verantwortlicher UZH: Prof. Dr. Christoph Riedweg

Handbuch der lateinischen Literatur der Antike: Band 8: 568–735 n. Chr.

Mit der Erarbeitung des letzten Bandes der Reihe Handbuch der lateinischen Literatur der Antike (HLL) wird ein aussergewöhnlicher Zeitraum und eine ebensolche Textkultur in den Blick genommen: Die Periode vom 6. bis zum frühen 8. Jahrhundert präsentiert sich in den Regionen des ehemaligen weströmischen Reichs als Phase des Umbruchs. So ist sie geprägt von der anhaltenden, aber unterschiedlich intensiven Wirkung antiker Hinterlassenschaften, die auf eine ehemals globale Kultur verweisen. Auch schreitet die bereits in der Spätantike einsetzende Regionalisierung und Dezentralisierung fort. So ergibt sich ein Spannungsfeld, welches die Koordinaten einer Schrift- bzw. Buchkultur markiert, die sich entgegen älterer Forschungsmeinungen zu den sogenannten „Dark Ages“ als lebendig und experimentell erweist. Essentiell für die karolingische reécriture und damit für das europäischen Mittelalter, aber von eigener Dynamik und Produktivität geprägt, dehnt sich die lateinische Textkultur zudem in neue Regionen aus. 

In gemeinsamer Herausgeberschaft mit Prof. Dr. Gernot M. Müller (Univ. Bonn) soll eine zeitgemässe Gesamtwürdigung der lateinischen Textproduktion des 6. bis 8. Jahrhunderts erfolgen. Mit Beiträgen aus klassisch-philologischer, mittellateinischer, historischer, rechtsgeschichtlicher und theologischer Perspektive setzt das Projekt bei den Handschriften mit ihren spezifischen Inhalten, Entstehungsbedingungen und Wanderungsbewegungen an. Schliesslich ist es eine Besonderheit der Epoche, dass erstmals in grösserem Masse eine zu den Texten zeitnahe Überlieferung vorliegt. So wird es möglich, mit Blick auf Kommunikationsprozesse mit ihren Zentren und Routen die Vermessung eines wesentlich durch Texte konstituierten Zeit- und Kulturraumes vorzunehmen. 

Verantwortlicher UZH: Prof. Dr. Ulrich Eigler

Scriptura Helvetica – Mittelalterliche Schriften und Handschriften in Schweizer Bibliotheken. Paläographischer Lehrgang und kulturgeschichtliche Analyse.

Handschriften bilden die Grundlage der Überlieferung der vormodernen Literatur. Für ihre Lektüre bildet das Latein im Westen die sprachliche Voraussetzung. Daneben aber verlangen sie die Beherrschung einer äusserst komplexen Schrifttradition, die durch die Paläographie vermittelt wird, welche für alle mediävistischen Disziplinen relevant ist.
Das Projekt verfolgt das Ziel, sowohl eine paläographischen Einführung als auch Studien zur kulturgeschichtlichen Bedeutung von Schrift und Handschriften zusammenzuführen.
Die Absicht des Projekts ist zunächst, anhand der im Bereich der Schweiz befindlichen Handschriften antiker Autoren (Vergil, Ovid, Cicero usw.) aus unterschiedlichen Epochen die Vielfalt der lateinischen Schriftarten im Mittelalter vorzustellen und ihre Beherrschung zu vermitteln. Eine weitere Eingrenzung ergibt sich aus der Beschränkung auf das Gebiet der heutigen Schweiz. Damit wird ein Rahmen umrissen, der die bildungsgeschichtlich interessante Frage nach einer besonderen Rezeptionssituation aufwirft. Handschriften spielen als repräsentative Objekte und Zankäpfel eine wichtige Rolle in innerschweizerischen Auseinandersetzungen und sind auch heute noch bibliothekspolitische Themen, man denke nur an die im Toggenburgerkrieg (1712) von St.Gallen nach Zürich verbrachten Bestände. Insofern richten wir auch unseren Blick auf einen besonderen Aspekt der Schweizergeschichte.
In Anbetracht des Iconic Turn eröffnet eine derartige diachron und synchron angelegte Betrachtung einer „Handschriftenlandschaft“ auch interessante ästhetische Einblicke. Immer mehr tritt nämlich die Materialität der Überlieferung und die Bildsemantik von Schrift in den Vordergrund der Forschung. Herrschaftspolitische und sozialgeschichtliche Aspekte werden durch die Untersuchung von Schrift als Bildbotschaft evident.

Verantwortliche UZH: Prof. Dr. Ulrich Eigler, Dr. Raphael Schwitter

Englische Version von „Jüdisch-hellenistische Imitation eines orphischen Hieros Logos – Beobachtungen zu OF 245 und 247“

Englische Übersetzung einer überarbeiteten Fassung von „Jüdisch-hellenistische Imitation eines orphischen Hieros Logos – Beobachtungen zu OF 245 und 247 (sog. Testament des Orpheus) (Classica Monacensia 7)“ (1993) für die SBL-Reihe „Writings from the Greco-Roman World“)

Verantwortlicher UZH: Prof. Dr. Christoph Riedweg