Vorträge im Rahmen der Hellas (Winter 2017/2018)

Die Veranstaltungen beginnen, wo nicht anders vermerkt, um 20.15 Uhr.

Dienstag, den 31.10.2017
20:15 Uhr
KO2-F-150

Prof. Dr. W. KINZIG (Bonn)
Glaube in Formeln. Die Entstehung des christlichen Bekenntnisses in der Spätantike
 
Historisch gesehen sind Glaubensbekenntnisse neben der Bibel die einflussreichsten Texte der Christenheit. Ja, über Jahrhunderte war das Bekenntnis (neben dem Vaterunser) für die christliche Alltagsfrömmigkeit sogar wichtiger als die Bibel. Die grossen Bekenntnisse, allen voran das Apostolische Glaubensbekenntnis und das Credo von Nizäa-Konstantinopel, haben eine Geschichte, die bis in die Frühzeit der Kirche zurückreicht. Der Vortrag fragt zunächst danach, was Glaubensbekenntnisse überhaupt sind, zeichnet dann deren Entstehung nach und gibt schliesslich Anregungen dafür, wie die (oft berechtigte) Kritik an den altkirchlichen Glaubensbekenntnissen in der Gegenwart konstruktiv für den Umgang mit diesen Texten aufgenommen werden könnte.

Dienstag, den 28.11.2017
20:15 Uhr
KO2-F-150

Prof. Dr. E. HALL (London)
Hephaistos and the History of Early Greek Comedy
 
Hephaestus is associated with laughter from his earliest appearances in ancient Greek literature and art. This lecture examines different manifestations of Comic Hephaestus and argues that his instrumental role in the emergence and evolution of Greek comic theatre has been neglected. He appeared both as the butt of comic laughter, as kōmōidoumenos, in Iliad I and the fragmentary Homeric Hymn to Dionysus and as the author/director of comic laughter in Odyssey 8, Alcaeus frg. 349a-d and Plato Rep. 2.378d. But his presence as kōmastēs in Corinthian and Attic vase-painting and Epicharmus’ Hephaistos or Komasts point to the overall importance of the ‘Return of Hephaistos’ as a basic plot-structure in Old Comedy, in general consisting of the alienation/disaffection of non-elite hero followed by joyful return/reintegration into community after scoring a point and ending in a kōmos. Finally, Hephaistos was more frequently a character in comic and satyric drama than the extant complete plays would lead us to believe: he appeared in plays by Alcaeus of Eretria, Sophocles, Alcaeus Comicus and unnamed plays portrayed in 4th-century vase-painting.

Mittwoch, den 24.1.2018
20:15 Uhr
KO2-F-150

Prof. Dr. D. MÜLLER (Mainz)
Inselberge der Ägäis
 
Nicht nur auf dem griechischen Festland oder auf Kreta, sondern auch auf den Inseln der Ägäis kann man interessante Bergwanderungen unternehmen, die durch die Nähe zum Meer einen besonderen Reiz haben. Der Vortrag möchte dazu anregen und gibt einen Überblick möglicher Touren. Beginnend mit Ägina geht es über Euböa zu den nördlichen Inseln Thasos und Samothraki, weiter über die ostägäischen Inseln Lesbos, Chios, Samos und Ikaria zu den Kykladen, schließlich zum Dodekanesos mit Rhodos und Karpathos.

Mittwoch, den 7.3.2018
19:30 Uhr
KO2-F-150
Einladung (PDF)

Prof. Dr. S. BÄR (Oslo)
„His Master’s Voice“: Anakreon und die Carmina Anacreontea zwischen Intertextualität und kreativer Rezeption
zugleich Mitgliederversammlung; Beginn: 19:00
 
Die Carmina Anacreontea – eine Sammlung von Gedichten, die von mehreren Autoren aus verschiedenen Jahrhunderten verfasst und später von einem anonymen Sammler kompiliert und herausgegeben wurden – evozieren die poetische Welt des archaischen Dichters Anakreon. Trotz ihrer entstehungsgeschichtlichen Disparität kann und soll die Sammlung als kohärentes Corpus betrachtet werden. In dem Vortrag wird gezeigt, wie die Gedichte einerseits in intertextueller Abhängigkeit zu Anakreon stehen und andererseits verschiedene – teilweise im Widerstreit zueinander stehende – dichterische Stimmen evozieren. Durch diese Vielstimmigkeit wird der Rezipient zu einem Dialog eingeladen, der schliesslich in eine Aufforderung zur Weiterschreibung der Sammlung mündet. Dadurch wiederum steht das Corpus in einem Spannungsverhältnis zwischen Intertextualität mit seinem Vorbild und kreativer Rezeption desselben.

Mittwoch, den 18.4.2018
20:15 Uhr
KO2-F-150
Einladung (PDF)

Prof. Dr. A. V. WALSER (Zürich)
Heilige und Kranke, Gaukler und Forscher: Reisen in eine Polis in Zentralanatolien
 
Germia, rund 100 km westlich von Ankara gelegen, war einer der bedeutendsten Pilgerorte Anatoliens in byz. Zeit. Sein prominentester Förderer war Kaiser Justinian, der in hohem Alter selbst als Pilger die Reise zur Kirche des Erzengels Michael in Germia unternahm. Andere Pilgerinnen und Pilger reisten etwa aus Nordsyrien oder vom Kaukasus auf der Suche nach Heil und Heilung in diese abgelegene Gegend am Rande des zentralanatolischen Plateaus. Der Vortrag folgt den Reisenden nach Germia, um ausgehend von den Spuren, die sie in der literarischen Überlieferung und in Inschriften vor Ort hinterlassen haben, ein Bild von den Lebensverhältnissen in dieser Pilgerstadt zu gewinnen. Er geht ferner der Frage nach, weshalb Männer und Frauen von nah und fern an einen Ort pilgerten, der keinen offensichtlichen Anlass hatte, besondere Prominenz in Anspruch zu nehmen.